Korn, Lillith: „Better Life – Ausgelöscht“

Wir befinden uns in Berlin im Jahr 2072 und Marvin versucht sein Leben zu ändern. Seine Freundin Charlie hat ihn verlassen… na ja… sie ist verschwunden. Und Marvin stellt sich die Frage, ob er sein Leben so weiterleben möchte oder etwas Gravierendes ändern möchte; ein besseres Leben führen.

Mit diesem Szenario sieht sich der Leser von Lillith Korn’s Roman „Better Life – Ausgelöscht“ konfrontiert. Das mir vorliegende eBook im epub-Format hat 249 Seiten und ist am 17.7.2015 im Verlag „neobooks“ erschienen. Jeder Leser des Genre Science-Fiction/Dystopie wird sich allein schon durch die Jahreszahl sowie den ersten Seiten der Geschichte wie gefesselt fühlen und in die Sphären einer noch unbekannten Zukunft eintauchen.

Lillith Korn schreibt fesselnd und mit jeder Zeile fühlt man sich mehr mit der Hauptperson Marvin verbunden. Man kann seine Gedanken nachempfinden bzw. sich in seine Verzweiflung hineinversetzen. Dies bedingt auch der Schreibstil; denn er ermöglicht dem Leser sich immer mehr in die Situation des Hauptcharakters hineinzuversetzen. Man fühlt und leidet zum Teil mit Marvin richtig mit. Am Ende des ersten Kapitels dann der erste Cliffhanger…mehr möchte ich an dieser Stelle nicht verraten; lesen Sie selbst.

Im nächsten Kapitel geht es dann abrupt weiter und wir lernen Zoe kennen. Zoe ist Neuroinformatikerin. Und durch sie erfährt der Leser noch mehr Details über diese Zukunftsfiktion. Denn Zoe’s Geschichte beginnt schon im Jahr 2068; also 4 Jahre vor Marvin. Zoe wird eine nicht unwichtige Rolle in der sogenannten „gemeinnützigen“ Organisation bzw. eines Instituts namens „Better Life“ einnehmen. Diese Organisation sagt über sich selbst bereits im ersten Kapitel zu Marvin, dass zu ihr „[…] Menschen [kommen], die ihr Leben verbessern möchten, selbst aber nicht die Möglichkeit dazu haben. Sei es nun wegen fehlender finanzieller Mittel oder aus persönlichen Gründen. […]“1. Diese Erklärung verwirrt im ersten Moment etwas. Aber Aufklärung wurde ja bereits im ersten Kapitel in der Geschichte von Marvin geleistet. Jedoch scheint die Verbindung zwischen Zoe und Marvin noch unklar. Erst als der Leser die Aufgabe bzw. Verantwortlichkeiten von Zoe am Projekt „Better Life“ herausfindet, wird der Zusammenhang klar. Zoe ist der Schlüssel zu „Better Life“.

Das dritte Kapitel stellt uns dann auch den dritten Hauptcharakter Paul vor. Im Gegensatz zu Marvin oder Zoe scheint Paul ein wahres Idealbeispiel für „Better Life“ zu sein. Wir befinden uns mittlerweile im Jahre 2074 und Paul hat genießt alle Annehmlichkeiten der Zukunft. Er fährt ein modernes Auto, das ihm auch warme Mahlzeiten zubereiten kann. Er hat einen herausfordernden Job bei „Better Life“. Und doch trübt die Natur seiner Aufgabe das Empfinden für diesen Charakter. Auf mich wirkt Paul etwas arrogant.

Doch das tut der Story keinen Abbruch. Vielmehr gelingt es Lillith Korn auch Paul glaubhaft darzustellen. Ab hier nimmt das Zusammenspiel der verschiedenen Personen an Dynamik zu. Neben Marvin, Zoe und Paul spielen auch noch Nebencharaktere wie Dr. Carlos Grewe (Chef von Better Life), Natalie (Freundin von Zoe) bzw. die verschwundene Charlie (Freundin von Marvin) eine Rolle. Weitere Details zur Geschichte möchte ich an dieser Stelle nicht erwähnen, damit Sie ebenfalls überrascht von einem Höhepunkt zum nächsten lesen dürfen.

Dieser vielschichtige Aufbau bzw. das Springen zwischen den Charakteren ist einerseits spannend, aber auch anspruchsvoll. Ein schneller Wechsel ohne Überleitung zwischen den Jahren, den Charakteren und der Story fordert den Leser. Doch das ist auch genau der Punkt, warum mir „Better Life – Ausgelöscht“ gut gefallen hat. Ich mag Bücher, wo man sich von Kapitel zu Kapitel mehr erarbeitet bzw. mehr über den eigentlichen Inhalt des Buches erfahren kann. Auch wenn man manchmal ein Kapitel zurückblättern muss, um eine fehlende Verbindung; z.B. zwischen Marvin und Zoe, verstehen zu können à im besagten Fall liegen zwischen den Beiden 4 Jahre.

Erst einige Seiten später erkennt der Leser wie die Hauptpersonen in Beziehung stehen. Man ist gefesselt im Auf und Ab der Charaktere und blättert atemlos weiter, um auf den nächsten Seiten immer wieder überrascht zu werden.

Für mich der Punkt in der Geschichte, wo ich mein mobiles Lesegerät nicht mehr aus der Hand legen konnte. Es war alles so spannend und kompakt, oft etwas abrupt formuliert bzw. übergeleitet, dass man wie gebannt den weiteren Fortgang der Geschichte erfahren wollte.

Die Spannung nimmt mit jeder Seite weiter zu. Der Aufbau erscheint an manchen Stellen bzw. Kapitelwechsel zwar für meinen Geschmack etwas radikal oder plötzlich bzw. ohne Überleitung, aber das Buch lässt sich trotzdem leicht und flüssig lesen. Die dort dargestellte Zukunft erscheint nicht unrealistisch zu sein. Für mich ist das Geheimnis des Buches, dass Lillith Korn es schafft die Ängste und Sorgen, die jeder von uns hat, in eine gefährliche und verführerische Zukunftsvision einfließen zu lassen. Man kann das Ende kaum erwarten; zumal man als Leser ein mögliches Ende kaum vorhersehen kann. Für mich ein gut gelungenes Werk, dass jedem Liebhaber von Zukunftsfiktionen a la „Total Recall“ sicher gefallen wird.

Nur eine Warnung möchte ich potentiellen Lesern mit auf den Weg geben: wenn Sie Spannungsbögen kaum ertragen können, dann wird Sie das Ende entsetzen. Eine Auflösung der verschiedenen Handlungsfäden gibt es nicht.

Zumindest nicht in diesem Band. 🙂

Links:
Über die Autorin
Verlagsseite zum Buch
Lillith Korn bei Lovelybooks

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1 Vgl. Korn, Lillith – „Better Life – Ausgelöscht“, 2015, S. 8, eBook

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Das eBook wurde mir von der Autorin kostenlos zur Verfügung gestellt. Dies beeinflusst in keiner Weise meine Beurteilung.

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Über Nelle

Ich liebe Bücher. Schon bevor ich in die Schule gekommen bin, hat mich die Welt der Bücher gefangen genommen. Und seitdem hat sich nichts verändert. Jedes Buch, dass mir in die Hände fällt, wird gelesen. Na gut... nicht wirklich jedes. Aber fast jedes.
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